In Deutschland sind derzeit 42 tiefengeothermische Anlagen (Bohrtiefe über 400 m) in Betrieb, um Heizwärme bereitzustellen und/oder Strom zu erzeugen. Darunter holen 40 dieser Erdwärmeanlagen heißes Wasser aus mehreren tausend Metern herauf, wie die jährlich aktualisierte Karte des Bundesverbands Geothermie (BVG) zeigt. Neuerdings bietet der BVG auf seiner Website eine digitale Version an, die laufend auf den neuesten Stand gebracht werden kann.
16 Geothermie-Anlagen im Bau oder geplant
In Bau sind derzeit laut der Karte bundesweit 16 Anlagen. Zum Beispiel im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg, wo zwei Bohrungen erfolgreich abgeschlossen wurden. Die Anlage soll bald 48 °C warmes Thermalwasser aus 1300 m Tiefe fordern, das über ein Fernwärmenetz in die Häuser transportiert wird. Dort kommen schließlich Wärmetauscher und Wärmepumpen zum Einsatz.
Auch in Aachen-Weisweiler ist es langfristiges Ziel, das geothermische Potenzial der Region für eine Fernwärmeversorgung zu erschließen. Doch zunächst wird dort noch 500 m tief gebohrt, um den Untergrund zu erkunden und Daten über die geologischen Schichten zu sammeln.
Schon sehr viel weiter ist man da in Potsdam, wo der Regelbetrieb der Tiefengeothermie-Anlage in der Teltower Vorstadt unmittelbar bevorsteht und Wärme für rund 700 Neubauwohnungen liefern soll.
Tiefengeothermie aus Thermalwasser
Mit der Tiefengeothermie aus Thermalwasser könnte ein Viertel des Wärme- und Kältebedarfs in Deutschland gedeckt werden, sagt BVG-Chef Gregor Dilger. Das zeigen Studien der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie IEG. Bei der Entwicklung von Tiefengeothermie-Projekten ist die „Aufsuchungserlaubnis“ ein wichtiger erster Schritt. Sie gibt das Recht, in einem bestimmten Gebiet, dem Erlaubnisfeld, nach Erdwärme zu suchen und wird nach Bundesberggesetz (BBergG) erteilt.
Laut der BVG-Karte hat sich die Zahl dieser Erlaubnisse in den vergangenen zwei Jahren nahezu verdoppelt: Von 82 im Januar 2023 auf mittlerweile 155 Erkundungspläne. Sie bedeuten aber noch keine Genehmigung für Bohrungen oder seismische Messungen. Dafür sind separate Betriebspläne erforderlich.
Ausbau der Geothermie
Der BVG fordert von der neuen Bundesregierung eine finanzielle Absicherung der Geothermie-Bohrungen und eine klare Ausbaustrategie. Wenn wie geplant die Tiefengeothermie von derzeit 1,8 auf 10 TWh pro Jahr ausgebaut werde, wie die Ampel sich bis 2030 zum Ziel gesetzt hatte, könnten in Deutschland 24000 neue Arbeitsplätze entstehen, 34 Millionen Tonnen CO2 vermieden und 9 Milliarden Euro Importkosten für fossile Brennstoffe eingespart werden, schätzt der BVG.
Autor: Tim Bartels, in UmweltBriefe, März 2025.
Informationen des Umweltbundesamtes zu Geothermie: Geothermie | Umweltbundesamt
Informationsportal Tiefe Geothermie (ITG): https://www.tiefegeothermie.de/
Geothermie in Zahlen vom Bundesverband Geothermie: www.geothermie.de
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